Thomas Duval

7 Jul 2014

Dissonanz und Streit: Versuch einer akustischen Beschreibung der konfessionellen Konflikte in der frühen Neuzeit
Betreut durch: Prof. Dr. Christophe Duhamelle
thomas@esylog.com

Projekt

Erfurt im Jahre 1712: Kinder singen auf dem Weg zur Schule. Sie gehen am Fenster eines katholischen Anwohners vorbei, der die folgenden Worten zu hören bekommt: «Bewahr uns Herr vor’s Papst Lehr‘ und Abgotterei / Behüt uns Herr und steh uns bey». Der verärgerte Mann schreit die protestantischen Nachbarn an, die ihm am nähesten sind. Ein Streit bricht aus.
Der Prozess – ein Gewaltakt wird durch einen Gesang verusacht – ist heutzutage in Europa scheinbar nur für bestimmte Gelegenheiten typisch. Dieser lässt sich insbesondere bei Fussballspielen beobachten, während denen Fans – betrunken oder nicht – ein Lied- und Melodienrepertoire pflegen, das im Rahmen einer offensichtlichen Konfrontation zur Aktualisierung der Gruppenzugehörigkeit dient. In einer Stadt aber, in der zwei oder drei Konfessionen koexistieren sollen, einem permanent unstabilen öffentlichen Raum also, steigert sich die Häufigkeit solcher Phänomene.
In dieser Arbeit wird vorgeschlagen, Klang und Gewalt im urbanen öffentlichen Raum zu verbinden. Berichte und Diskurse, in denen zu beobachten ist, dass Gruppen, die wir a priori « Konfessionelle Gruppen » nennen könnten, sich den akustischen Raum aneignen, sollen dabei die Grundlage bilden.
Die Entdeckung solcher Berichte stellt bei dieser Arbeit die erste Schwierigkeit dar. Hierbei kann das hohe Ausdehnungspotential räumlicher und zeitlicher Grenzen durchaus berücksichtigt werden. Die erste archivale Herausforderung dieser Studie besteht darin, die potentiellen Quellen zu identifizieren, die Spuren solcher Konflikte enthalten könnten. Für die Stadt Augsburg am Anfang des 17. Jh. hat sich zum Beispiel A. Fisher mit einer Reihe von strafrechtlichen Dokumenten beschäftigt, die nicht nur über die Tatsache berichten, dass Klang auch als Brennpunkt der Gewalt gelten kann, sondern auch noch über den Umgang der Autoritäten mit der Störung eines konfessionellen Zusammenlebens, das geschützt und gepflegt werden soll. Die Knappheit dieser Dokumente hat mich dazu gezwungen, das Forschungsfeld auszubreiten, d.h. Orte und Zeitspannen wie die Lausitz des Ende des 16. Jh. oder das Rheinland der Mitte des 18. Jh. in meiner Arbeit miteinzuschliessen. Diese Einbeziehung sehr unterschiedlicher Kontexte mag zu manchen methodologischen Schwierigkeiten führen, aber ist zugleich nötig, um eine Kontinuität zwischen Glaube, Gesang und Faustschlag ans Licht zu bringen.

Lebenslauf

Ausbildung

  • Seit November 2013 „doctorant contractuel“ im CDFA
  • 2011 – 2013 Master in Geschichte zwischen der Uni Heidelberg und EHESS
  • 2009 – 2013 Bachelor in German Studies an der Sorbonne Paris IV
  • 2008 – 2011 Bachelor in Geschichte an der Sorbonne Paris IV

Berufserfahrung

  • September – Oktober 2010 Sekretär bei MD productions (Paris)
  • August – September 2011 Verkäufer bei La Chaumière à Musique

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