Séverine Marguin

30 Jul 2013

Kollektive Strategie im Feld der zeitgenössischen Kunst. Fallstudie in Paris und Berlin
Betreut durch: Prof. Dr. Bénédicte Zimmermann, Prof. Dr. Ulf Wuggenig
severine.marguin@gmail.com

Projekt

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Strukturwandel der Arbeit (Böhle, Voß, Wachtler, 2010) in den Feldern der kulturellen Produktion (Bourdieu, 1992) bewusst und sichtbar geworden wie vielleicht nie zuvor. Dabei offenbart die Analyse der Konsequenzen dieser Transformation von Kunst- und Kulturberufen vor allem eine wachsende Prekarität der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Die öffentliche Hand hat für die existenzielle Sicherung (Paugam, 2009; Castel, 2009) der Künstler und Kulturarbeiter bisher keine angemessene Antwort gefunden (Beck, 1998).
Gleichzeitig hat aber die zunehmende Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sektors nicht zu einer Stabilisierung geführt, sondern vielmehr zu einer «vertikalen Desintegration des Arbeitsmarktes» (Menger, 2009). Es stellt sich hier die Frage inwieweit eine Steuerung dieser Unsicherheit (Menger, 2009) durch kollektiv initiierte Formen der Selbstorganisation möglich erscheint, die von den Akteuren der Felder der kulturellen Produktion selbst getragen werden. Hier werden am Beispiel beruflicher Werdergänge von in einer Kollektivform involvierten Bildenden Künstlern, unterschiedliche kollektive Strategien analysiert.

Kollektive Strukturen haben eine lange Vergangenheit, die verschiedene Formalisierungs- und Institutionalisierungsgrade aufweisen: bereits die Handwerkszünfte seit dem Mittelalter, die Künstlergesellschaften (Bouillon, 1986) seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, die avantgardistischen Gruppen seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts (White, 1967) oder die Künstlergewerkschaften seit den Siebziger Jahren (Schnell, 2009) basieren auf kollektiven Mechanismen. Gegenwärtig kann man insbesondere die Renaissance von Genossenschaftsmodellen beobachten: so sind etwa in Frankreich in den letzten Jahren bereits mehrere erfolgreiche Künstlergenossenschaft entstanden, die ein vielversprechendes Modell zur Sicherung der beruflichen Existenz durch kollektives Handeln darstellen.

Die Untersuchung ist als qualitative Forschung angelegt. Die empirische Erforschung des Feldes, folgt einem ethnographischen Ansatz. Gegenstand der Beobachtung sind die Felder der Produktion im Bereich der Bildenden Kunst in Frankreich und Deutschland. Hierzu zählen nicht nur die bildenden Künstler selbst, sondern im weiteren Sinne der gesamte Kunstbetrieb, also alle die Schöpfung, Produktion und Distribution von visuell oder haptisch erfahrbaren Kunstwerken einschliessenden Prozesse (Becker, 1988). Ziel der Arbeit ist ein Vergleich kollektiver Aktionsstrategien in den französischen und deutschen Feldern der Produktion im Feld der Bildenden Künste. Dabei bilden Paris und Berlin den Mittelpunkt der Untersuchung. Der Hauptteil der Empirie bildet als Fallstudie eine detaillierte Untersuchung jeweils mehrerer kollektiven Strukturen in Berlin und in Paris. Hier werden narrative Interviews mit den jeweiligen Protagonisten durchgeführt, um eine detaillierte Erfassung der Lebens- und Arbeitsumgebungen von den Akteuren zu erheben. Dadurch werden institutionelle, organisationelle und biographische Dimensionen betrachtet, um eine Übersicht über Ressourcen, Zwänge, Möglichkeiten und Opportunitäten darstellen zu können. Dazu werden Gruppendiskussion im Rahmen der Kollektives durchgeführt. Teilnehmende Beobachtung ergänzt die Fallstudieuntersuchung.

Lebenslauf

Ausbildung

  • 2009 Diplom am Institut der Politischen Wissenschaften der Universität Grenoble – Masterstudium Kuratorische Leitung kultureller Projekte

Berufserfahrung

  • 05.2010 – 11.2012 Mitarbeiterin EU-Leonardo Projekt «Cultural Shared Entreprise» bei der Stiftung Pfefferwerk Berlin (www.entreprise-partagee.eu)
  • 02.2010 – 05.2010 Wissenschaftliche Mitarbeit im Forschungsprojekt «Bewegung in Europa» an der Universität Paris I – Durchführung der Untersuchung in Deutschland
  • 09.2008 – 02.2013 Wissenschaftliche Mitarbeit am Forschungsprojekt «Friches culturelles en Europe / Kulturfabrik in Europa» an der Universität Rouen bei Prof.
    Lucchini – Durchführung der Untersuchung in Deutschland
  • 02.2009 – 07.2009 Praktikum in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin – Organisationsleitung einer Ausstellung (www.ngbk.de)
  • 02.2008 – 04.2008 Praktikum im Internationalen Kulturzentrum ufaFabrik, Berlin (www.ufafabrik.de)

Publikationen

  • MARGUIN, Séverine & MAMOULAKI, Christina, « L’appropriation des friches culturelles par les populations locales», in : LUCCHINI, Françoise (ed.), De la friche industrielle au lieu culturel, parution en mai 2013.
  • MARGUIN, Séverine « La politique culturelle berlinoise de soutien à la création plastique contemporaine : un réajustement », in : Pôle Sud (article accepté, publication en 2014).
  • MARGUIN, Séverine, «Projekträume : Vitales aber fragiles Herz der Kunstszene / Espaces-projet : le cœur vital mais fragile de la scène berlinoise d’art contemporain », Vonhundert 100, April 2012, pp.14-20.
  • MARGUIN, Séverine, «Projekträume im Berliner Kunstfeld. Zur Entwicklung und aktuellen Situation / Espaces-projet dans les champs de l’art contemporain. Évolution et situation actuelle », Kulturrisse Zeitschrift fur radikaldemokratische Kulturpolitik, 04/2012, pp. 72-76.

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