Marie-Noëlle Kopp-Drion

7 Mai 2013

Die Verfahren und verbannen Rituale in den Städten in Deutschland im späten Mittelalter (XIII – XVI Jahrhundert)
Betreut durch: Prof. Dr. Pierre Monnet im EHESS (Paris)
marie.noelledrion@gmail.com

Projekt

Lange an den Rand der Rechtsgeschichte verwiesen, erfährt seit 30 Jahren die Geschichte der Verbannung eine tiefgreifende Erneuerung. In ihrer historischen Breite analysiert, wird das Phänomen der Verbannung sowohl in seiner ganzen Bedeutung wie in den verschiedenen Brüchen deutlich, die den Verlauf der jahrhundertalten Stadtgeschichte prägten. Zur zeitlichen Ausdehnung kam  eine Zersplitterung des geographischen Rahmens hinzu, die den supraregionalen Ehrgeiz der westdeutschen Großstädte wiederspiegelte. Dadurch versuchten sie, ihr Bestreben zu verwirklichen, ihre Macht, ihre Geschichte und ihre Legitimität zu festigen.

Auf einem für die Zeit außerordentlich reichen Textkorpus basierend und hauptsächlich aus Achtbüchern, Stadt-Korrespondenzen, Remissionsbriefen und ikonographischen Quellen bestehend, analysiert diese Arbeit die Verbannung in den westdeutschen Städten, insbesondere im Süden und Südwesten des Heiligen Römischen Reichs vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Die behandelte Zeit ermöglicht eine beinahe vollständige Analyse. Mit einer anthropologischen, juristischen und historischen Fragestellung stellt diese Arbeit die Verbannung und ihre Mechanismen in das Zentrum einer Analyse der Justiz und der mittelalterlichen Stadtmentalität, die für die Bedeutung von Ritualen, Handlungen und Symbolen hoch empfindlich waren.

Die anthropologische Fragestellung des Themas stellt die dialektische Integration und Ausgrenzung intus et foris und ihre physischen Symbole innerhalb und außerhalb der Grenzen der Stadt in der Mitte des Prozesses sowie die Symbolik der Bestrafung dar. Michel Foucault zählte diese Art der Bestrafung mit der Haftstrafe, der Kennzeichnung und dem Rückkauf zu den vier Hauptstrafen. Das Erwachen der Städte im 13. Jahrhundert, die Entwicklung einer “culture identitaire”, die Suche nach Autonomie-Rechte, die wirtschaftliche Entwicklung und insbesondere die 1356 verkündete Goldene Bulle Kaiser Karls IV (1316-1378) verliehen den deutschen Städten eine immer größere Rolle auf der städtischen, territorialen und imperialen Ebene. Die Städte versuchten ihren Machtanspruch durch eine wachsende Produktion schriftlicher Normen zu festigen, deren Zweck es war, den urbanen Frieden zu konsolidieren.

Als Speerspitze dieser Politik, regelmäßig von den städtischen Behörden angewandt, wurde die Verbannung als zusätzlicher Hebel benutzt, desto attraktiver, dass in der Regel das Gut der Verbannten von der Stadt beschlagnahmt wurde. In urbanen Vernetzungen organisiert, benutzten die Städte die Verbannung als Waffe gegen “Verunreinigung” und Übertretung. In der heutigen Forschung steht es außer Frage, dass die Macht der spätmittelalterlichen Städte durch juristische Maßnahmen gestärkt wurde und auf juristische Fundamente beruhte. Für die Zeitgenossen, schreibt Pierre Monnet, steht es außer Zweifel, dass das Gesetz und die Strafen, die als Korrektiv für die Übertretungen standen “, nicht als einzige Funktion die Wiedergutmachung der Schuld hatten, sondern die moralische und soziale Existenz der Gemeinschaft garantierten.” Rückblickend steht fest, dass der Normalisierungsprozess der mittelalterlichen Gesellschaft, durch die Verbannung unterstützt, zur Entstehung erster Identitätskontrollen führte und schließlich zur Geburt des modernen Staaten.

Lebenslauf

Ausbildung

  • Master in Geschichte des Mittelalters an der Universität von Straßburg (Juni 2011). Thema: Die Pfarrei Sant-Aurelien in Straßburg im Mittelalter, unter der Leitung von Elizabeth Clementz

Berufserfahrung

  • 2008 – 2011 Bibliothekarin am Institut für Geschichte des Elsass (Universität von Straßburg)
  • 2011-2013 verantwortlich für das Museum der Bibliothek Sarreburg (Lothringen)
  • Seit Mai 2013 arbeite ich an der National-und Universitätsbibliothek Straßburg als Bibliothekarin und bereitet Wettbewerbe Conservative Bibliothek

Publikationen

  • „Sant-Aurelien in Straßburg im Mittelalter, ein Original Pfarrei mit einer starken Identität,“ in Annuaire de la Société des Amis du Vieux Straßburg, Straßburg 2012, s. 13-26.
  • „Le Mont Sainte-Odile: un haut-lieu symbolique de l’Alsace » in, Histoire et Images Médiévales, n° 51, Août-septembre 2013, p. 69-74.
  • „Strasbourg et ses marginaux“ in, Histoire et Images Médiévales, n° 52, Octobre-Novembre 2013, p. 76-80.
  • „Les livres d’amitié ou alba amicorum (16e-20e siècles): miroirs de la culture savante européenne » in, Trésor du mois de janvier 2014 de la BNU, bnu.fr, janvier, 2014. Ein weiterer Artikel ist in Vorbereitung.

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