Kerstin Stubenvoll

13 Mai 2013

Globalgeschichte kolonialer Arbeit und antikolonialen Engagements in Douala (Kamerun), 1920er bis 1950er
Betreut durch: Prof. Dr. Andreas Eckert
kerstin.stubenvoll@hu-berlin.de

Projekt

Vor dem Hintergrund kolonialistischer Herrschaft und Wirtschaftspolitik setzt sich dieses Projekt mit Akteuren und sozialen wie kulturellen Aspekten von Arbeit in den Jahren von 1920 bis 1960 in Douala (Kamerun) auseinander.
Dabei stehen Handlungsspielräume und Entscheidungen städtischer Arbeitergruppen im Mittelpunkt, die in engem Kontakt mit Vertretern oder Praktikern europäisch dominierter Arbeit standen und versuchten, asymmetrisch geprägte Beziehungen umzugestalten oder hierarchisierenden und rassifizierenden Praktiken entgegenzuwirken. Insbesondere der Hafen rückt aufgrund seiner hohen Akteursdichte, der Vielzahl involvierter Interessen und seiner exponierten Rolle innerhalb der großen ‚Entwicklungsprogramme‘ der Nachkriegsjahre als Schauplatz solcher Kontakte in den Blick.
Mit Fokus auf Mobilitäten, Beschränkungen und Verflechtungen von Akteurshandeln werden Wissenstransfers und insbesondere Aktivitäten gewerkschaftlicher Gruppen – speziell der Confédération Générale du Travail (CGT), der Union des Syndicats Confédérés du Cameroun (USCC) und der Fédération Syndicale Mondiale (FSM) – in ihren Bezügen zu Dekolonialisationsprozessen der Arbeitswelt wie allgemein des Territoriums untersucht. Ebenso werden gegenläufigen Politiken seitens der französischen Verwaltung und privatwirtschaftlicher Akteure betrachtet.
Die Aushandlung antikolonialer Interessen und Identitäten lässt sich sowohl in Douala als auch auf zahlreichen weiteren Ebenen verorten. Bedingt durch den internationalen Charakter des Mandat- und späteren Treuhandgebiets sowie die Einbindung in globale antikoloniale Netzwerke – welche im Rahmen des Projekts rekonstruiert werden – reichte sie letztlich weit über einen französisch-kamerunischen Kontext hinaus. Die Einbeziehung entsprechender Akteursstrategien, welche vor den Vereinten Nationen oder innerhalb anderer zeitgenössischer internationaler Organisationen wie der ILO verfolgt wurden, dient nicht zuletzt dem Ziel, zur Erforschung von Hintergründen und Mechanismen des besonders gewaltgeprägten Dekolonialisierungskonflikts in Kamerun beizutragen.

Lebenslauf

Ausbildung

  • 2002-2011 Studium der Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaften, Eberhardt-Karls-Universität Tübingen, Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2011 Abschluss Magistra Artium (M.A.) in Neuerer und Neuester Geschichte (Hauptfach), Politikwissenschaft und Teilgebieten des Rechts (Nebenfächer); sehr gut (1,2); Titel der Magisterarbeit: „[…]ce livre trop peu remarqué. Anténor Firmins ‚Egalité des races humaines‘ (1885)“, betreut von Prof. Dr. Uwe Puschner und Prof. Dr. Anne Kwaschik, FU Berlin

Berufserfahrung

Organisatorische und pädagogische Tätigkeit für europäische Holocaust-Gedenkstätten und Museen, darunter:

  • 2001-2002 Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen e.V., Gedenkstätte Maison d’Izieu. Mémorial des enfants juifs exterminés, Izieu (Frankreich)
  • seit 2009 Freie wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz, Berlin

Kleinere Werkverträge über Korrektorate und Lektorate sowie Übersetzungen aus dem Französischen, darunter:

  • Übersetzung aus dem Französischen von Dan Michman, Waren die Juden Nordafrikas im Visier der Planer der ‚Endlösung‘? Die ‚Schoah‘ und die Zahl 700.000 in Eichmanns Tabelle am 20. Januar 1942, in: Norbert Kampe/Peter Klein (Hg.), Die Wannsee-Konferenz am 20. Februar 1942. Dokumente. Forschungsstand. Kontroversen, Köln u.a.: Böhlau, 2013, S. 379-400.

Archivrecherchen und Interviews, darunter:

  • 2002-2005 Spurensuche- und Ausstellungsprojekt zum Schicksal vier jüdischer Kinder in der Vernichtung der europäischen Juden, Kooperation Stadtarchiv Mannheim und Gedenkstätte Maison d’Izieu (Frankreich)
  • 2012-2013 Forschungsaufenthalte zum Dissertationsthema in Deutschland, Frankreich, Kamerun und in der Schweiz

Papers

  • ‚Colonial labour within entangled regimes: The docks of Douala (French Cameroons), ca. 1920-1960‘, paper at Actors of Globalization workshop, ETH Zürich/History of the Modern World, 2nd-3rd of November, 2012.
  • ‚Travail et main d’œuvre au port de Douala, 1922-1958‘, Öffentlicher Vortrag, 23. Februar 2013, Goethe-Institut Yaoundé/Kamerun.
  • ‚High hopes, deep disappointment? The League of Nations‘ and the United Nations‘ mandatory and trust policies in Cameroonian appeals contesting French colonial rule, 1919-1958′, paper at EUI International Scholarly Conference ‚From the League of Nations to the United Nations. New Approaches to International Institutions‘, European University Institute, Florence, march 21-23, 2013.

Publikationen

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