Giuditta Bettinelli

22 Nov 2013

Die Verwandlung der Prostitution: Die Etnographie des italienischen „Escort-girl“
Betreut durch: Prof. Dr. Emmanuel Désveaux, EHESS
giuditta.bettinelli@ehess.fr

Projekt

Unser Dissertationsprojekt ist eine Fortsetzung einer vierjährigen (2008-2012) ethnographischen Studie über die Prostitution in der Öffentlichkeit in Italien, welche das Thema unserer Master-Arbeit vom 30/08/2012 an der EHESS war. Eine Herausforderung war es, den Wandel und die Gesamtentwicklung des Sexgewerbes zu kontextualisieren. Während bis zum Ende der neunziger Jahre im Kontext Italiens die Strasse der gewöhnliche Entstehungsort der Prostitution war, führten Medien Kampagnen gegen den Menschenhandel mit Ausländerinnen. Gemeinsam mit dem Verbot der „tutelle du décor“ (Überwachung der Strassen) führte dies zur Unterdrückung der Prostitution und förderte die Entstehung anderer Formen sexueller Dienstleistungen. Außerdem wurde, während wir im September 2008 unsere Feldforschung durchführten, vom italienischen Ministerrat der Gesetzentwurf „Misure contra la prostituzione“ (Massnahme gegen die Prostitution) angenommen, welcher von Mara Carfagna, einem ehemaligen Showgirl und Ministerin ohne Geschäftsbereich konzipiert wurde. Somit wurden im Rahmen der vierten Regierung Berlusconi nun die Strassenprostitution, wie auch die allgemeine Prostitution, in der Öffentlichkeit verboten. Dies geschah nur wenige Monate vor den ersten Aussagen des beschuldigten Berlusconi, Geschäftsleute bezahlt zu haben, welche gegen Geld Frauen für sexuelle Dienstleistungen für seine Privatpartys zur Verfügung stellten. Diese Ereignisse haben allerdings, anstatt sich auf den Exzess und die Ausschweifungen der politischen Klasse zu beschränken, die Banalität des wirtschaftlich-sexuellen Austauschs bestätigt und somit ein Fenster zu bisher in abolitionistischen Ländern wenig studierten Phänomenen geöffnet. Dies gilt insbesondere im Fall der Escort-Begleiter. Um diese Phänomene zu fassen, ist besonders das theoretische Konzept des sexuellen und wirtschaftlichen Austauschs der Anthropologin Paola Tabet effizient, welches eine radikale Unterscheidung zwischen „guten Frauen“ und Prostituierten macht. Aus einer ethnographischen Perspektive muss man jedoch die Erfahrungen, welche die Escort-Begleiterinnen in gesellschaftlichen Veranstaltungen machen, analysieren, um die Strategien, mit denen sie sich in eine erotische Perspektive einbringen, um ihren Körpern einen Wert zu geben, zu verstehen. Durch die im Feld gesammelten Daten erkunden wir die Techniken und Tricks, welche Begleitpersonen benutzen um ihr körperliches Potential zu maximieren, und eine Sphäre der Macht und Prestige, welche vor allem vom Aussehen abhängig ist, aufzubauen. Der sexuelle und wirtschaftliche Austausch kann demzufolge in Frage gestellt werden, da er nicht nur eine Methode der Geldbeschaffung, sondern auch ein Spiegel größerer Wertschätzung ist. Alles muss man abwägen unter Berücksichtigung der symbolischen Aspekte, welche der Typ der Begleiterinnen in die italienische Gesellschaft einbrachte. Schlussendlich, um unsere These zu vervollständigen und den Übergang von einer „intimen Beziehung“ auf „bezahlten Sex“ auf der Halbinsel zu analysieren, wird es notwendig sein, die beobachteten Phänomene in unserem Bereich mit dem generellen Diskurs, sozialen Praktiken und der Repräsentation der Arbeit in Ländern mit unterschiedlichen Rechtsrahmen für Prostitution zu vergleichen. Dies gilt insbesondere für Deutschland, wo gemäss dem Tampep-Report (European Network for HIV / STI-Prevention and Health Promotion among Sex Workers), die Escortdienste weniger effizient sind als in abolitionistischen Ländern. Des Weiteren ist die Anwendung eines systematischen Vergleichs eine erfolgreich angewandte Methode in den soziologischen Studien über die Prostitution, (Handaman ME, Deschamps C, D. Danna,) da sie im Gegensatz zur Untersuchung in sich geschlossener Systeme erlauben, zwischen „Geschlecht“, Wunsch und „Ansehen“ in Gesellschaften, welche sich durch hedonistischen Konsum auszeichnen, zu differenzieren.

Lebenslauf

CV

Ausbildung

  • Seit Dezember 2012 Doktorandin im dritten Semester an der EHESS, unter der Leitung von Emmanuel Désveaux (EHESS)
  • Von Sept. 2010 bis Jul. 2012 Master der Sozialwissenschaften – Anthropologie, Prüfung abgelegt am 31. August 2012 mit der Note TRES BIEN (mit Auszeichnung)
  • Von Dez. 2009 bis Jul. 2010 Schulungskurs über die französiche Philosophie und Seminarbesuche bem IISF
  • Von Sept. 2006 bis Nov. 2009 Diplom in Antropologie an der Philosophischen Fakultät der Bologna Universität, Abschluss mit Auszeichnung

Stipendien

  • September-Oktober 2013 Stipendiatin der ‚Ecole française in Rom
  • April 2013 Empfängerin des Preises „Eugen Ionescu“ der Agence française de la francophonie bei der Ecole Doctorale Francophone en Sciences Sociales der Universität Bukarest
  • 2013 Mobilitätsbeihilfen des Deutsch-Französischen Doktorandenkollegs

Berufserfahrung

  • Seit September 2013 Anthropologin beim Verbund „Cooperativa lotta contro la povertà“ aus Mailand für die Untersuchung „Quelli della notte, contesti della
    sessualità a rischio nel bresciano“
  • 03/2013-07/2013 Praktikum an der Universität Bukarest im Bereich des Programms „E. Ionescu: Ethnographie über den wirtschaftlichen und sexuellen Austausch in Diskotheken“
  • 12/2012-03/2013 Angestellt als Soziologin bei Obeservatoire Samusocial in Paris

Publikationen

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