Anne Lammers

13 Mai 2013

Statistische Konstruktionen Europas. Eurostat und die Europäischen Gemeinschaften von 1952 bis 1985
Betreut durch: Prof. Dr. Gabriele Metzler (Humboldt Universität zu Berlin), Dr. Rüdiger Hohls (Humboldt Universität zu Berlin)
anne.lammers.1@geschichte.hu-berlin.de

Projekt

Datenbasiertes Wissen bildete seit der Unterzeichnung der Gründungsverträge für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) einen Grundpfeiler gemeinschaftlicher Politik. Die Bereitstellung statistischer Informationen auf europäischer Ebene fand seither im statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften, heute Eurostat genannt, statt. Ziel war es, möglichst objektive Wissensbestände zu schaffen, die der Umsetzung gemeinschaftlicher Politik dienen sollten. Dabei war die Arbeit in der europäischen Amtsstatistik immer ein Gemeinschaftsprojekt, an dem Politiker, Wissenschaftler sowie Statistiker aus allen Mitgliedsländern mitarbeiteten. Ein genauerer Blick auf die so erstellten Statistiken lässt Rückschlüsse zu über ganz spezifische Vorannahmen, tradierte Denkstrukturen oder Wahrnehmungsmuster Europas, die so ihren Weg in die Daten fanden. Über Tabellen und Grafiken wurden auf diese Weise „Realitäten“ Europas konstruiert, die in einem spezifischen Verhältnis zu sozioökonomischen Wandlungsprozessen und politischen Diskursen standen, welche sie nicht nur reflektierten, sondern deren Wahrnehmung sie mitprägten.
Somit besteht mein Forschungsinteresse darin, Arbeitsprozesse, die der Generierung statistischer Daten vorangingen und sie begleiteten, jeweils zeit- und kontextabhängig in den Blick zu nehmen und auf ihre Besonderheiten im supranationalen Kontext zu hinterfragen. Die Koordinierungs- und Harmonisierungsprozesse – die Basisstrategien statistischen Arbeitens auf europäischer Ebene – sollen ebenso wie die Bedeutung bestimmter Akteure oder die institutionell-rechtliche Einbindung Eurostats in den Blick genommen werden. Ein relativ weit gefasster Untersuchungszeitraum von ca. 30 Jahren erlaubt es gleichzeitig, Kontinuitäten und Brüche bei den statistischen Konstruktionen Europas aufzudecken.
Die Quellen, die für diese Arbeit ausgewertet werden sollen, umfassen in erster Linie die von Eurostat veröffentlichten statistischen Erhebungen sowie Dokumente aus dem Historischen Archiv der Kommission, welche interne Aushandlungsprozesse der statistischen Arbeit wiedergeben. Für die Analyse der wechselseitigen Wahrnehmungen zwischen Eurostat und den politischen Institutionen sollen auch Quellen aus Kommission, Rat und Parlament herangezogen werden.

Lebenslauf

Ausbildung

  • Seit 04/2012 Promotionsstudentin an der Humboldt-Universität zu Berlin (Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin)
  • 2008–2011 Studium der Geschichtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin (M.A.) Thema der Masterarbeit: „Die statistische Erfindung Europas. Eurostat in der Europäischen Integration“
  • 2004–2008 Studium der Geschichtswissenschaft (Kernfach) und Anglistik (Nebenfach) an der Universität Bielefeld und der Universidad de Salamanca (B.A.)

Berufserfahrung

  • Seit 07/2010 Verschiedene Tätigkeiten im Lektorat und in der Redaktion für H-Soz-u-Kult (Praktikum) und das Themenportal Europäische Geschichte
  • 05/2009–12/2009 Mitarbeit im Projekt „Terrorismus und Staat“ und Durchführung von Recherchen im Rahmen eines Werkvertrages am Lehrstuhl der Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen von Prof. Dr. Gabriele Metzler
  • 06/2008–06/2010 Mitarbeit im Projekt „Historische Statistik Europas im 20. Jahrhundert“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Metzler und Dr. Rüdiger Hohls

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