Alina Enzensberger

5 Jun 2013

Lazarette als Übergangsräume im Ersten Weltkrieg, 1914-1918
Betreut durch: Prof. Dr. Gabriele Metzler
aenz.uni@web.de

Projekt

Die Lazarette des Ersten Weltkriegs waren zentrale Knotenpunkte innerhalb des militärmedizinischen Versorgungssystems der verschiedenen kriegsführenden Staaten. Millionen von Soldaten kamen mit diesen Institutionen während ihres Kampfeinsatzes in Kontakt. Je nach Gesundheitszustand, mussten sie Wochen, Monate oder Jahre in ihnen verbringen, um ihre körperlichen und psychischen Verletzungen zu heilen. Viele Patienten kehrten nach ihrem Lazarettaufenthalt mit einer dauerhaften Kriegsversehrung als Zivilisten in ihre Heimat zurück, andere wurden von den Militärärzten für „wiederhergestellt“ erklärt und als Soldaten in den Krieg zurückgeschickt.

Mein Dissertationsprojekt untersucht Lazarette in Deutschland und Frankreich zwischen 1914 und 1918. Es wird gefragt, inwieweit sie als „Räume des Übergangs“ innerhalb des Krieges verstanden werden können, die sich im Spannungsfeld zwischen militärischer und ziviler Ordnung befanden. Thematisch und methodisch ist die Arbeit an einer Schnittstelle angesiedelt. Sie beruht auf Überlegungen aus der soziologischen Raumtheorie, integriert aber genauso Elemente der neueren Kultur- und Erfahrungsgeschichte des Krieges sowie der Medizin- und Körpergeschichte.

So beleuchtet die Dissertation zum einen die unterschiedlichen militärischen und gesellschaftlichen Erwartungen, Projektionen und Zugriffe, die auf das Lazarett und die dort internierten Soldaten gerichtet wurden, konzentriert sich zum Anderen aber auch auf die Perspektive der Soldaten selbst und ihr subjektives Erleben der Lazarettsituation. Anders als in vielen bisherigen medizinhistorischen Studien sollen Patienten nicht nur im Sinne passiver Objekte ärztlichen Handelns beschrieben werden, sondern als aktiv handlungsfähige Subjekte in den Fokus der Untersuchung rücken. Konzepte von Männlichkeit, Körperbildern und Invalidität werden dabei ebenso thematisiert, wie die Frage nach der Konstituierung des Lazaretts als sozialem Raum mit bestimmten Regeln und Hierarchien zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Patienten. Darüberhinaus soll das Lazarett auch als „Kontaktzone“ zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären und Logiken verstanden werden, in der sich sowohl Begegnungen als auch Konflikte und Raumdeutungskämpfe zwischen militärischen und zivilen Akteure ergaben.

Lebenslauf

Ausbildung

  • Seit 03/2013 Promotionsstipendiatin der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) im Rahmen des Deutsch-Französischen Doktorandenkollges (DFDK) „Unterschiede denken II: Struktur – Ordnung – Kommunikation“
  • Seit 03/2013 Promotion bei Prof. Dr. Gabriele Metzler, Lehrstuhl für die Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2010-2013 Studium der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und am University College London (UCL), Thema der Masterarbeit: „In meinen Träumen sehe ich mich schon als Zivilist.“ Einblicke in das deutsche Lazarett im Ersten Weltkrieg (1914-1918)
  • 2005-2009 Studium der Geschichtswissenschaften, Sozialwissenschaften und Philosophie an der
    Humboldt-Universität zu Berlin, Thema der Bachelorarbeit: „Genossen, heute feiern wir einen großen Sieg!“ Stalin im sowjetischen Film der Nachkriegszeit, 1946-1950

Berufserfahrung

  • 02/2010-04/2010 Praktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im Bereich USA/Transatlantische Beziehungen
  • 11/2009-02/2010 Praktikum bei Camino, Institut für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich
  • 2009-2011 Redaktionsassistentin in der Osteuroparedaktion von „H-Soz-u-Kult“, Kommunikationsplattform für Geschichts- und Sozialwissenschaften, im Rahmen der Tätigkeit als studentische Hilfskraft bei Prof. Dr. Jörg Baberowski, Lehrstuhl Geschichte Osteuropas, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 07/2005-10/2005 3-monatige journalistische Hospitanz bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)
  • 09/2004-12/2004 Auslandsaufenthalt in Buenos Aires, Argentinien, Freiwilligenarbeit im Kinder-Stadtteilprojekt „Juegoteca Bochinche“

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